Bundestagswahl 170.000 Wahlplakate verändern Berlin

Porträtfotos oft unbekannter Menschen, mehr oder weniger verständliche Sprüche, Parteinamen in grellen Farben und großen Lettern: Rund ein Jahr nach der Abgeordnetenhauswahl ist schon wieder Wahlkampf in Berlin, diesmal geht es um den Bundestag. Eine wichtige Säule dabei bilden die Wahlplakate, die ab diesem Sonntag (6. August) an Laternenpfählen aufgehängt oder auf großen Tafeln an den Straßen aufgestellt werden dürfen.

CDU Spitzenreiter mit etwa 1000 Großplakaten

Die Parteien lassen sich dabei nicht lumpen. Sie investieren Zehntausende, wenn nicht Hundertausende Euro, um – wie es heißt – Präsenz zu zeigen, sich bekannt zu machen und für ihre Inhalte zu werben. Folge: Die ganze Stadt wird quasi mit Plakaten zugepflastert. Am Wochenende entbrennt also auch eine Art Wettrennen um die besten Standorte.

Die meisten Großflächenplakate – rund 1000 – will die CDU aufstellen, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Hinzu kommen etwa 50.000 Kleinplakate, auf denen in der Regel die Direktkandidaten in den Wahlkreisen für sich werben oder auf ein spezielles Thema hingewiesen wird. Die SPD hält mit etwa 700 Großtafeln und und 40.000 Kleinplakaten dagegen.

Etwas bescheidener geht es bei den anderen zu: Die Linke plant mit 280 mobilen Großflächenplakaten, will aber über das reguläre Netz von Werbeflächen in der Stadt zusätzliche Positionen buchen – die Mitglieder können dafür spenden. Hinzu kommen gut 42.000 kleinere Personen- und Themenplakate. Die FDP will auf 350 Großflächen präsent sein und 10.000 „personalisierte Themenplakate“ aufhängen. Bei den Grünen läuft es auf 240 Großflächen und 25.000 kleinere Plakate hinaus.

Das Plakat ist „unausweichlich“

Ist dieser Aufwand im digitalen Zeitalter überhaupt noch zeitgemäß? „Wir wollen die Menschen dort erreichen und dort mit ihnen kommunizieren, wo sie sich aufhalten. Das ist natürlich das Internet, aber das ist eben auch die Straße“, erläutert Grünen-Sprecherin Hannah König. „Hauptfunktion des klassischen Plakatwahlkampfes ist, die Bevölkerung und die eigenen Anhänger überhaupt auf den nahenden Wahltermin aufmerksam zu machen“, sagt CDU-Landesgeschäftsführer Dirk Reitze. „Daran hat sich nicht allzu viel geändert.“

Aus Sicht der Linken erzeugen die Plakate „stadtweite Präsenz und gezielt Aufmerksamkeit für unsere Kernthemen“, wie es Sprecherin Diana Buhe formuliert. „Sie geben unseren Kandidaten ein Gesicht“, meint SPD-Landesgeschäftsführerin Anett Seltz. So hätten die Bürger einen „optischen Bezug“, wer sich um ihre Anliegen kümmere. „Dennoch werden die sozialen Netzwerke auch immer wichtiger für die politische Kommunikation“, so Seltz.

Der Leiter der FDP-Landesgeschäftsstelle, Helmut Metzner, hält Plakatwerbung auch aus einem anderen Grund für „unausweichlich“: „Internet und sozialen Medien kann sich der potenzielle Wähler entziehen, der Straßenplakatierung nicht.“

Parteien und Kandidaten finanzieren Plakate gemeinsam

Finanziert wird die Materialschlacht in der Regel von mehreren Partei-Ebenen, im konkreten Fall vor allem von der jeweiligen Bundespartei und den lokalen Gliederungen wie den Kreisverbänden, aber auch von den Direktkandidaten selbst. Die Landesverbände engagieren sich ebenfalls in unterschiedlicher Form. Die FDP etwa investiert nach eigenen Angaben mit 50.000 Euro etwa ein Drittel des Wahlkampf-Budgets der Landespartei in Plakate.

Vor dem Hintergrund dieser Mischfinanzierung tun sich die Parteien indes schwer, konkrete Zahlen für Berlin zu nennen. Als grobe Größenordnung kann gelten: Ein Großplakat kostet etwa 400 bis 500 Euro, ein „A 1 Hohlkammerplakat“ für die Laterne ist für etwa 1,50 bis 2 Euro zu haben. Allein 100 Großtafeln schlagen also mit 40.000 bis 50.000 Euro zu Buche, die Parteien bewegen sich angesichts der von ihnen genannten Anzahl somit eher im sechsstelligen Bereich.

Nicht bis Sonntag abwarten wollte übrigens Ex-Justizsenator Thomas Heilmann, der am Hochhaus Steglitzer Kreisel bereits das mit 624 Quadratmetern mutmaßlich größte Wahlplakat der Stadt anbringen ließ. Ein Regelverstoß liegt allerdings nicht vor: Wahlwerbung an Gebäuden fällt nicht unter die Vorgaben des Berliner Straßengesetzes. (dpa)