Dramatische Verluste für Union, SPD auf Rekordtief, AfD dritte Kraft

Die Union wird mit 33,3 Prozent stärkste Partei. Die SPD steht nur noch bei 20,9 Prozent. Ein historischer Tiefstwert.

  • Drittstärkste Partei wird der Hochrechnung von 18.38 Uhr zufolge die AfD mit 13,2 Prozent.
  • Die FDP kehrt mit 9,9 Prozent der Stimmen in den Bundestag zurück. Auch Grüne und Linke werden vertreten sein.
  • Die Union mit Kanzlerin Angela Merkel hat die Bundestagswahl am Sonntag trotz deutlicher Verluste gewonnen. Die SPD stürzt nach den ersten Hochrechnungen von ARD und ZDF von 18.12 Uhr auf ein historisches Tief ab. Die AfD zieht mit einem klar zweistelligen Ergebnis als dritte Kraft ins Parlament ein, gefolgt von FDP, Grünen und Linken. Die CSU von Parteichef Horst Seehofer sacken auf 38,5 Prozent ab – nach 49,3 Prozent vor vier Jahren.
  • CDU/CSU lagen nach den Hochrechnungen bei 32,7 bis 33,3 Prozent (2013: 41,5), die SPD bei 20,2 bis 20,8 Prozent (25,7). Die AfD kam auf 13,2 bis 13,4 Prozent (4,7), die FDP auf 10,1 bis 10,5 (4,8), die Linke auf 8,9 (8,6) und die Grünen auf 9,2 bis 9,4 Prozent (8,4).
  • Die Union würde laut ZDF demnach 220 Sitze im neuen Bundestag bekommen. Die SPD erhält 137 Mandate. Die AfD liegt bei 87 Mandaten, die FDP bei 67. Die Linke würde 59 Sitze bekommen, die Grünen 61.
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  • Im 19. deutschen Bundestag werden sechs Fraktionen vertreten sein. Das sind so viele wie zuletzt in der ersten Dekade der Bundesrepublik.

Deutschland steht damit vor einer komplizierten Regierungsbildung. Im künftigen Bundestag können weder das linke Lager (SPD, Linke, Grüne) noch das sogenannte bürgerliche Lager (CDU/CSU, FDP) eine Mehrheit der Mandate auf sich vereinen.

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Mathematische Mehrheiten gibt es allein für eine große Koalition sowie ein Bündnis aus Union, FDP und Grünen („Jamaika“). Gegen beide Modelle aber existieren in den jeweiligen Parteien enorme Widerstände.

Die komplexe politische Lage beruht auf dem Wahlerfolg der AfD, mit der erstmals seit 1957 eine Partei rechts von der Union dem Parlament angehören wird.

Die AfD, die – als primär euro-kritische ausgerichtete Partei – bei der letzten Wahl knapp an der Fünf-Prozent-Sperrklausel gescheitert war, erreichte nun in weiten Teilen des Landes zweistellige Stimmenanteile.

DIE WELT