So bringen Betrüger Berliner um ihre Mietkaution

Betrüger kassieren im Voraus Kaution und erste Monatsmiete für Wohnungen, die so wie im Angebot beschrieben nicht existieren.

Rasant steigende Mieten und Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Mietpreisebremse waren in den vergangenen Tagen ein beherrschendes Thema in Berlin. Der angespannte Wohnungsmarkt beschert dabei nicht nur Hauseigentümern und Immobilienfirmen gute Geschäfte. Wie in keiner anderen deutschen Metropole tummeln sich auf dem Immobilienmarkt der Hauptstadt in großer Zahl findige Betrüger. Mit ihrer Masche kassieren sie von Wohnungssuchenden im Voraus Kaution und erste Monatsmiete für Wohnungen, die so wie im Angebot beschrieben überhaupt nicht existieren.

Mietkautionsbetrug nennt sich das Delikt und wie so oft bietet vor allem das Internet den Betrügern optimale Möglichkeiten. Für sie ist vor allem eine Stadt wie Berlin interessant, das Angebot ist knapp und die Suchenden stehen entsprechend unter Druck. „Wir haben bereits vor sieben Jahren erstmals betrügerische Immobilienangebote registriert“, sagt Sonja May vom Online-Portal „Immobilienscout“. Inzwischen filtern die Mitarbeiter des Marktführers monatlich etwa 200 Wohnungsangebote heraus, die zumindest den Verdacht betrügerischer Machenschaften aufkommen lassen.

Plötzlich steht ein Dutzend hoffnungsvolle Neumieter vor der Tür

Und das Immobilienportal „Immowelt“ warnt seine Nutzer schon seit längerem vor einer Masche, die vor allem in Berlin häufig Anwendung findet. Dabei mieten die Täter für kurze Zeit eine Ferienwohnung, die sie dann als angebliche Eigentümer selber zur Vermietung anbieten. Haben genügend Interessenten die geforderte Vorauszahlung geleistet, verschwinden die Täter. Und mit ihnen das Geld der Opfer. Beim Berliner Mieterverein sind Fälle bekannt, bei denen am Tag der zum Schein vereinbarten Schlüsselübergabe ein Dutzend hoffnungsvolle Neumieter vor der Tür warteten.

Es ist heute nicht mehr ungewöhnlich, dass ein Wohnungssuchender zahlt, noch bevor er das angebotene Objekt überhaupt gesehen hat. Wer aus einer anderen Stadt oder aus dem Ausland nach Berlin zieht, hat im Vorfeld oft gar nicht die Möglichkeit, eine Wohnung selbst zu besichtigen. Aber auch Einheimische sind oft eine leichte Beute. Wer nach einem Besichtigungstermin fragt, erfährt, das sei aus allerlei Gründen nicht möglich, es müsse schnell gehen und im Übrigen gebe es genügend andere Interessenten. „Je verzweifelter jemand auf der Suche nach einer Wohnung ist, desto eher neigt er dazu, ein mulmiges Gefühl zu ignorieren und gewisse Risiken einzugehen“, beschreibt ein Sprecher des Berliner Mietervereins die Situation auf dem hart umkämpften Wohnungsmarkt in der Hauptstadt.

Betrüger mieten Wohnungen als Untermieter – und bieten sie dann online an

Dem Mieterverein ist auch eine weitere Masche bekannt, die in Berlin oft und gern zum Einsatz kommt. Dabei suchen die Betrüger gezielt nach Wohnungen, die von ihren Mietern für einen befristeten Zeitraum untervermietet werden, etwa wegen eines längeren Auslandsaufenthaltes. Auch diese Wohnungen bieten sie dann als angebliche Eigentümer selbst zur Vermietung an, natürlich immer zum Schnäppchenpreis.

Wie erfolgreich die Betrüger agieren, zeigen zwei Gerichtsprozesse aus der jüngsten Zeit. In der vergangenen Woche wurde ein 54-jähriger Neuköllner zu zwei Jahren Haftstrafe ohne Bewährung verurteilt. Als angeblicher Makler bot er im Internet nicht existente Wohnungen an, passende Fotos hatte er zuvor aus anderen Anzeigen herauskopiert. Von seinen Opfern kassierte er als „Vermittlungsgebühren“ vierstellige Summen. Eine Woche zuvor wurde ein Pärchen, 45 und 26 Jahre alt, ebenfalls zu Haftstrafen verurteilt. Sie hatten von Berlin aus monatelang im großen Stil Wohnungen angeboten, die gar nicht zur Vermietung standen. Die von ihren Opfern geleisteten Anzahlungen summierten sich auf stolze138.000 Euro.

Von Hans H. Nibbrig – morgenpost